Peter und Luise Hager-Preis

Peter und Luise Hager-Preis in Zusammenarbeit mit der HBKsaar

Die Peter und Luise Hager-Stiftung lobt seit 2012 gemeinsam mit der Hochschule der Bildenden Künste Saar Preise aus, die herausragende Studierende der HBKsaar für ihre künstlerischen und gestalterischen Projekte und Entwicklungen auszeichnen.

Von der Kreativität der Studenten und dem Kooperationswillen der Professoren beeindruckt, dürfen wir jährlich mehrere Studenten in ihrem Schaffen unterstützen. Es ist deutlich erkennbar, dass die ausgelobten Preise die künstlerische Entwicklung der Studierenden nachhaltig verbessern. Doch nicht nur die Sieger profitieren von dem Engagement der Stiftung. Alle Teilnehmer, einschließlich des Lehrkörpers, stellen sich Jahr für Jahr einer kreativen Herausforderung, die auch zum Renommee des Studien-Standortes Saarbrücken beiträgt.

Die Zusammenarbeit mit der HBKsaar geht im Wintersemester 2020/2021 mit dem Thema "Wissen" und einer Corona-bedingten Änderung in die zehnte Runde. Für Studierende an deutschen Hochschulen verschärfte sich mit Beginn der Corona-Pandemie die oftmals ohnehin schon finanziell angespannte Situation. Auch an der Hochschule der Bildenden Künste Saar gerieten vermehrt Studierende durch den krisenbedingten Wegfall von Aufträgen und Nebenjobs in eine finanzielle Notlage. Um hier eine unbürokratische Soforthilfe zu leisten, initiierte der Allgemeine Studierenden Ausschuss der HBKsaar einen Nothilfefonds, um Studierende, die ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise über eine Nebentätigkeit finanzieren, zu unterstützen. Für diesen Fonds stellte die Peter und Luise Hager-Stiftung einen Betrag in Höhe von 9.000 Euro zur Verfügung.

Aus diesem Budget werden Studierende der HBKsaar in finanziellen Engpässen unterstützt, die nur unzureichend sonstige Förderung in Anspruch nehmen konnten und infolge der Corona-Pandemie ihre Jobs verloren hatten.

Den Scheck in Höhe von 9.000 € überreichte Vorstandsmitglied Susanne Trockle im Juli an Prof. Gabriele Langendorf, Rektorin der HBKsaar, und Joas Strecker, AStA-Vorsitzenden der HBKsaar (vlnr). 

Foto: Ingeborg Knigge/HBKsaar
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Peter und Luise Hager-Preis 2019/2020


Susanne Trockle als Vorstandmitglied der Peter und Luise Hager-Stiftung und Gabriela Gross als Mitglied des Stiftungsrates, überreichten zur Ausstellungseröffnung in der Galerie der HBKsaar am 31. Januar 2020 die Auszeichnungen für die drei überzeugendsten Wettbewerbsbeiträge zum diesjährigen Peter und Luise Hager-Preis. Der von der Peter und Luise-Hager-Stiftung gemeinsam mit der Hochschule der Bildenden Künste Saar ausgelobte Preis zeichnet herausragende Studierende der HBKsaar für ihre künstlerischen und gestalterischen Projekte und Entwicklungen aus. Die Aufgabenstellung der bereits zum neunten Mal veranstalteten Ausschreibung war in diesem Jahr die künstlerische und gestalterische Auseinandersetzung mit dem Thema „Glaube“. 

Aus den eingereichten Wettbewerbsbeiträgen wählte eine Jury elf Positionen aus, die zum Rundgang 2020 im Rahmen einer Ausstellung in der Galerie der HBKsaar zu sehen sind. Aus diesen Ausstellungsteilnehmer/innen ermittelte die Jury drei Preisträger/innen, die zur Ausstellungseröffnung bekannt gegeben wurden.

Der Jury gehörten seitens der Peter und Luise Hager-Stiftung Susanne Trockle als Vorstandmitglied und Gabriela Gross als Mitglied des Stiftungsrates an. Für die HBKsaar sind Prof. Ivica Maksimovic, Prof. Beate Mohr und Prof. Dr. Matthias Winzen in der Jury vertreten. Weitere Jury-Mitglieder sind Dr. Sebastian Baden, Kunsthalle Mannheim, sowie als Mitarbeiterin der Saarländischen Galerie, Berlin, Dr. Andrea Weber.


Die Preisträger

Preis: 5.000 Euro – Tim Jungmann „Glück“
Preis: 3.000 Euro – Kollektiv Maria Pauer „Aktion 1: Minus 18 Meter“
Preis: 2.000 Euro - Johanna Schlegel „whiteout“

Alle an der Ausstellung beteiligten Studierenden, die nicht zu den Preisträgern zählen, erhalten eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 500 Euro: Julia Gerhards, Léo Himburg, Tanja Huberti, Mario Maurer, Jonathan Maus, Anica Seidel, Antonia Stakenkötter und Luise Talbot.
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1. Preis: Tim Jungmann „Glück“

Glück ist schwer zu fassen. Man kann Glück nicht planen und dann herstellen, es passiert einem. Keiner weiß, wie das mit dem Glück wirklich funktioniert. Trotzdem oder gerade deshalb gibt es so viele Ratgeberbücher über Wege zum Glück. Glücksbücher sind paradox. Buchautoren und Leser schließen eine Art stillschweigende Übereinkunft zum fröhlichen Selbstbetrug. Glauben ist alles. Eigentlich wissen die Leser, dass sie Glück nicht nachlesen können, sondern im günstigsten Fall nur real erleben. Und die Autoren verdienen ihr Geld damit, Menschen Ratschläge zu erteilen, die sie gar nicht kennen.

Tim Jungmann hat eine scheinbar einfache, aber sehr durchdachte Installation geschaffen. Auf einem Regal hoch an der Wand steht eine ganze Batterie Glücksratgeberbücher in bunter Sinnlosigkeit. Bleibt für uns das Glück prinzipiell unerreichbar? Oder ist es so, dass wir – zum Glück – nicht an solche Zeitverschwendungsliteratur heranlangen können? Vor der Installation strecken die Erwachsenen ihre Arme bettelnd in die Höhe wie kleine Kinder. Waren sie als Kinder das letzte Mal naiv genug, um ein Glücksgefühl wirklich und zutiefst zu erleben?

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2. Preis: Kollektiv Maria Pauer „Aktion 1: Minus 18 Meter“

Das Kollektiv „Maria Pauer“ (Karen Fritz, Esther Momper, Sarah Niecke und Johanna Schlegel) zeigt eine multimediale Installation, die sich mit einem nationaldeutschen Glaubensmonument von 1922 auseinandersetzt. Das Kollektiv schlägt vor, für das 18 m hohe Denkmal eine ebenso tiefe Grube zu graben. Der monströsen Ziegelsteinmasse antwortet die unterirdische Hohlform. Das Loch spiegelt die steinerne Erhebung als Umkehrung, als Infragestellung.

Hier ist gelungen, was bei politischer Aktionskunst meistens besserwisserisch und künstlerisch langweilig daneben geht. Die Arbeit umfasst mehrere, sehr verschiedene Elemente: die Recherche und die Grabeaktion vor dem „Niedersachsenstein“ in Worpswede, die Videoaufnahme von dieser Aktion, das Begleitheft, die Schrift an der Wand in der Galerie und dass diese Schrift durchgestrichen und korrigiert ist. Die verschiedenen Elemente fallen aber nicht auseinander, sondern bilden eine lebendige Auseinandersetzung ab, an der der Betrachter sofort beteiligt ist. Soll man ein expressionistisches Riesendenkmal abreißen oder sprengen, nur weil es ein Jahrzehnt nach seiner Entstehung den Nazis gut in den Kram passte? Und weil Bernhard Hoetger, der dieses Denkmal entwarf, nach 1933 versuchte, sich den Nazis anzubiedern?

Das Kollektiv „Maria Pauer“ betreibt seine Bilderstürmerei auf kreative und witzige Art. Das Fragwürdige soll nicht einfach zerstört und vernichtet werden, sondern durch das Loch buchstäblich relativiert werden. Im Video scheint Selbstironie auf, wenn vier rot ummäntelte Figuren bei fiesem Wetter mit dem Spaten beginnen, das Riesenloch zu graben. Wir können daran glauben, dass die vier das Loch ausheben können, so wir glauben können, dass Maria als Jungfrau ein Kind gebar.

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3. Preis: Johanna Schlegel „whiteout“

Kann ich der Fotografie glauben? Dokumentiert sie etwas, das es wirklich gibt oder gab? Oder zeigt ein Foto nur sich selbst, also Schwarz/Weiß-Substanzen oder Farbmaterialien auf Papierträger? Garantiert ein Passfoto, dass die abgebildete Person mit sich selbst identisch ist? Halten private Fotografien von Angehörigen Familiengeschichte fest? Wo findet diese Familiengeschichte statt? Auf den Fotos oder in der Erinnerung desjenigen, der Fotos in seiner Schublade, seinem Portemonnaie oder auf dem Rechner hat? Lässt sich Vergangenheit materiell festhalten?

Johanna Schlegel stellt alle diese Fragen, indem sie den materiellen Träger unseres fotografischen Glaubens langsam in einer Flüssigkeit auflöst und diesen Vorgang des Verschwindens im Video festhält. Ohne unsere alltägliche Glaubensleistung an die dokumentarische Echtheit der Fotografie könnten wir Fotos nicht benutzen und sie nicht verstehen. Dabei schauen wir das konkrete Bild gar nicht an, sondern gewohnheitsmäßig durch es hindurch. Wir sehen real Farbreste auf Papierträger oder digitale Pixel auf einem Datenträger, nennen diesen Anblick aber „Oma“, „Onkel“ oder „ich selbst“. Diese alltägliche Glaubensleistung ähnelt magischen Reliquienritualen. Man sieht real einen alten Knochen in einem Goldkästchen mit Fensterscheibe, schaut aber das Heilige selbst. Johanna Schlegel wirft die Frage auf, wieviel Aberglauben in unserer hochtechnisierten Fototechnik steckt.